Informationen über Suizid

In Deutschland nimmt sich durchschnittlich alle 53 Minuten ein Mensch das Leben, alle vier Minuten versucht es jemand. Insgesamt sterben in Deutschland mehr Menschen durch Suizid als durch illegale Drogen, Aids und Verkehrsunfälle zusammen. Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Suizidversuche um ein Zehnfaches höher. Darüber hinaus hinterlässt jede*r Suizidtote durchschnittlich ca. sechs nahestehende Personen, die oftmals kaum wissen, wie sie weiterleben können. In Berlin stieg die Zahl der Suizide 2015 im Vergleich zum Vorjahr wieder deutlich an. 470 Berliner und Berlinerinnen nahmen sich das Leben. Es ist außerdem davon auszugehen, dass die Dunkelziffer der nicht als solche erkannten Suizide noch wesentlich höher ist.

„Suizid und Suizidversuch sind also keine Probleme von Randgruppen, sie sind alltäglich. Grundsätzlich jeder Mensch […], kann in eine Situation kommen, wo er oder sie sich vorstellt, mit einer Selbsttötung für sich eine Lösung zu finden.“ Besondere Risikogruppen sind dabei alte Menschen, Jugendliche, Personen mit psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen und Menschen, die die einen Angehörigen durch Suizid verloren oder selbst einen Suizidversuch hinter sich haben. Weitere vulnerable Gruppen sind Menschen, die durch kulturelle Anpassung und Umsiedlung belastet sind, wie Flüchtlinge, Asylsuchende und Migrant*innen, Menschen, die sich selbst als lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell oder zwischengeschlechtlich fühlen und Personen, die Traumata oder Missbrauchserfahrungen erlitten haben.

Dennoch wird Suizidalität weiterhin tabuisiert. Das Thema ist mit Angst und Scham besetzt und der Mythos, dass man jemanden erst auf die Idee bringt, wenn man über Suizid redet, hält sich fest in unserer Gesellschaft. Ein Gespräch und Austausch sind dabei tatsächlich die Dinge, die Leben retten können.

Wie kann ich helfen?

Zuhören, Zuhören, Zuhören.

Habe viel Geduld und zeige Verständnis. Bedenke, dass ein Problem, mit dem Du gut zurechtkommst, bei einem anderen Menschen zum Suizid führen kann. Nimm es ernst!

Es ist hilfreich nach konkreten Suizidgedanken und Plänen zu fragen, um herauszufinden, wie gefährdet die Person ist. Ein ruhiges und direktes Gespräch kann den*die Gefährdete*n bereits entlasten, weil er*sie mit jemandem über die quälenden Suizidgedanken reden kann.

Ganz wichtig ist es jedoch, mit dem Problem nicht alleine zu bleiben, sondern Dir Hilfe und Unterstützung von Profis zu holen. Begleite den*die Betroffene*n zu einer Beratungsstelle, dem Hausarzt*der Hausärztin oder Therapeut*innen.

Häufige Fehlannahmen

Menschen, die von Suizid sprechen, tun es nicht! Diejenigen, die sich wirklich umbringen wollen, reden gewöhnlich nicht darüber.
Falsch! Ca. 80 % aller Selbsttötungen werden vorher angekündigt.

Wer sich einmal mit Suizidgedanken trägt, wird es sein Leben lang tun.
Falsch! Gerade bei jungen Menschen kann der Gedanke, sich etwas anzutun, Ausdruck einer aktuellen Krise sein, die alleine oder mit fremder Hilfe wieder überwunden werden kann.

Jemanden auf mögliche Suizidgedanken anzusprechen, bringt die Person erst recht auf die Idee.
Falsch! Denn wer nicht gefährdet ist, wird es auch dann nicht tun, wenn Du ihn darauf ansprichst. Wer gefährdet ist, empfindet es meist als Erleichterung, darüber sprechen zu können.